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Empfehlungen für eine journalistisch‐ethische Berichterstattung über das Thema Menschenhandel

Je renommierter das Pressemedium ist, desto mehr Vertrauen genießt es in der Bevölkerung. Die meisten Menschen informieren sich nicht über den Bericht hinausgehend, so dass Medien unmittelbar zur Meinungsbildung beitragen. Diesen Informations‐ und Aufklärungsauftrag sollten alle Journalist_innen, die gemäß dem Pressekodex des Deutschen Presserates arbeiten, ernst nehmen.

Bezogen auf eine journalistische Arbeit zum Thema Menschenhandel, die v.a. die Würde der Betroffenen respektiert, erachtet der KOK e.V. besonders folgende Aspekte als relevant an:

  • Eine unaufgeregte Berichterstattung, die Hysterie und die Konstruktion von Bedrohungsszenarien vermeidet und Migration nicht kriminalisiert
  • Vermeidung von Klischees
  • Eine fundierte Recherche; dies beinhaltet u.a. auszuhalten, dass keine genauen Zahlen von Betroffenen des Menschenhandels genannt werden können und dass die Lebensgeschichten der Betroffnen meist eine hohe Komplexität aufweisen
  • Die Vermeidung suggestiver Anfragen: Fachorganisationen wie der KOK e.V. werden wiederholt von Journalist_innen angefragt, die lediglich eine Bestätigung ihrer vor‐gegebenen Thesen möchten, statt auf die Expertise der Fachleute zu vertrauen
  • Darstellung eines ganzheitlichen Bildes, beispielsweise mit Fokus auf die Situation der Betroffenen nach der Straftat und auf die Probleme in der Beratungsarbeit
  • Eine differenzierte Debatte zum Thema Prostitution, sprich, keine Gleichsetzung mit sexueller Ausbeutung und Menschenhandel
  • Eine differenzierte Bildsprache, die Betroffene als starke, handelnde Subjekte dar‐stellt, die ihr Leben selbst gestalten; Vermeidung sexualisierter Darstellungen
  • Schutz der Rechte und der Identität der Betroffenen; der Deutsche Presserat hat in diesem Sinne im März 2013 den Artikel 9 „Schutz der Persönlichkeit“ des Pressekodex novelliert, der besonders den Schutz von Opfern von Straftaten und von Minderjährigen in den Mittelpunkt rückt
  • Die bedeutende Rolle der Medien auch bei der Bekämpfung von sexualisierter und struktureller Gewalt v.a. gegenüber Frauen und Mädchen wird zunehmend auch in internationalen Instrumenten wahrgenommen. So spricht das Abschlussdokument der 57. UN‐Frauenrechtskommission davon.

Mit Hinblick auf das Thema Menschenhandel ist eine neue Debattenkultur notwendig, die versucht, möglichst alle Standpunkte einzubeziehen und eine versachlichte Diskussion zu führen. Der KOK e.V. appelliert an alle Journalist_innen, sich diesen ethischen Standards zu verpflichten, und ist gerne bereit, eine verantwortungsvolle Berichterstattung fachlich zu unterstützen.

Hier gelangen Sie zur vollständigen "KOK-Positionierung zum medialen Umgang mit dem Thema Menschenhandel im Jahr 2013".

© KOK- Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.